Was tun, wenn der alte Obstbaum zu wenig treibt und nur noch kleine Früchte bringt?

Kleine Früchte am alten ObstbaumEs liegt in der Natur allen Lebens, dass im Alter die Kräfte allmählich schwinden, um jungen nachwachsenden Leben Platz zu machen. Bei manchen ausdauernden Kulturpflanzen, so auch bei Obstbäumen, ist uns allerdings die Möglichkeit in die Hand gegeben, das Leben und die Ertragsfähigkeit unserer Obstbäume etwas zu verlängern.

Düngen und Wässern

In noch nicht sehr vorgeschrittenen Alter eines Baumes lässt sich unter Umständen mit Wässern und Düngen noch etwas ausrichten.

Schnittmassnahmen in der Baumkrone

Immer mehr müssen wir jedoch unser Augenmerk auf die Baumkrone richten, die im Laufe der Jahre, je nach Pflegezustand, schon greisenhafte Züge angenommen hat. Es hat sich meist viel Ballast angesammelt: Totes und abgetragenes Holz, das dem Baum Licht, Luft und Kraft nimmt.Nachdem zuerst das tote Holz herausgesägt worden ist, geht man nun daran, die alten herunterhängenden abgetragenen Fruchtbögen, die nur noch kleines minderwertiges Obst bringen, herauszuschneiden.

Am Scheitelpunkt dieser Fruchtbögen haben sich bereits neu steilere Triebe gebildet, die nun selektioniert werden müssen. Man wählt den stärksten und den am günstigsten stehenden Trieb und schneidet bis dahin den alten Fruchtbogen ab. Alle anderen Triebe des Scheitelpunktes müssen sich dem Haupttrieb unterordnen oder werden ganz herausgeschnitten. Nun wird auch der Rest der Krone durchforstet. Alle zu dicht stehenden Triebe oder solche, die in den Baum hineinwachsen, werden entfernt oder dahin gelenkt, wo sie genügend Platz finden. Hat man auf diese Weise den Baum von allen unnützen befreit, wird er in der Regel noch etliche Jahre gedeihen und gute Früchte bringen.

Verjüngung der Krone

Das allerletzte Mittel, uns einen alten Baum zu erhalten, ist das Verjüngen (Abwerfen der Krone). Dies hat jedoch nur Sinn, wenn der Stamm noch gesund ist und keine größeren Verletzungen aufweist. Hierbei geht man folgendermaßen vor: Zunächst wird die Anzahl der Kronenäste auf das wirklich Notwendige reduziert. Dann werden die Kronenäste in dem Winkel abgeworden, der dem natürlichen Wuchs des Baumes entspricht. Eine Bekleidung der verbliebenen starken Äste mit Besatzholz (Zugäste) ist unbedingt erforderlich, um die Versorgung des Baumes mit Nährstoffen zu gewährleisten. Dass alle Wunden der Äste sorgfältig mit Baumwachs abzudecken sind, ist selbstverständlich.

Die nächsten Jahre allerdings bringen viel Arbeit. Auf diesen extrem starken Rückschnitt wird der Baum nämlich entsprechend antworten. Er wird eine Unzahl junger Triebe bilden, auch aus dem alten Holz, das hier mangels vorhandener Augen die Adventivknospen aktiviert hat. Diese gilt es nun zu sortieren, um daraus wieder eine neue Krone aufzubauen. Zu dicht stehende Triebe müssen ganz entfernt werden. Nur starke günstig stehende verbleiben und müssen durch Anschneiden auf entsprechende Augen gelenkt werden. Diese Prozedur muss einige Jahre wiederholt werden. Ist man hier nachlässig, ist die ganze Mühe vergebens gewesen. Man erhält dann nur einen hexenbesenartigen Baum mit nur schlechter Fruchtqualität.

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