Was tun, wenn der Obstbaum zu stark wächst und keine Fruchtknospen bildet?

Fruchtknospen am ObstbaumWenn ein Obstbaum nicht fruchtet, hat er natürlich seinen Zweck verloren und man möchte ihn am liebsten wieder heraushauen. Aber schauen wir ihn vorher einmal genau an und checken alle Möglichkeiten durch, dann wird man schließlich darauf kommen, warum er sich so abnorm verhält und wie Abhilfe geleistet werden kann.

Unterlage

Oft liegt es schon daran, dass die Unterlage zu stark wachsend ist. Bei guten Böden, zumal wenn sie lehmhaltig sind, sollte man unbedingt keine zu stark wachsende Unterlage wählen; es sei man lässt dem Baum Zeit und gibt der Krone viel Raum, um sich auswachsen zu können. Dann erst, manchmal erst nach 8-10 Jahren, wird es zur Fruchtknospenbildung kommen. Besser ist, man wählt gleich eine schwächer wachsende Unterlage, etwa M9 oder M26. Bei Birnen ist dies Quittenunterlage.

Düngen und Wässern

Natürlich spielt nicht nur die Bodenqualität sondern auch das zusätzliche Düngen und Wässern des Baumes beim Wachstum eine Rolle. Hier hat man es dann selber in der Hand Abhilfe zu schaffen.

Pflanztiefe

Ein weiteren Fehler, der oft beim Pflanzen gemacht wird, kann selbst bei einer schwach wachsenden Unterlage zu einem starken Wachstum führen, nämlich dann, wenn der Baum zu tief gepflanzt worden ist. Die Veredelungsstelle muss unbedingt aus dem Boden herausragen. Sonst kann es passieren, dass der Baum sich freimacht, d.h. der edle Teil des Baumes schlägt Wurzeln. Jetzt nimmt der Baum meist die Wuchseigenschaften des Edlings an. Trotz schwach wachsender Unterlage treibt er dann meist stärker.

Umstechen der Wurzeln

Eine radikalere Art, dem Baum die Triebkraft zu nehmen, ist das Umstechen der Wurzeln. Dies geschieht am zweckmäßigsten im Bereich der Kronentraufe, da sich hier die Mehrzahl der Wasseraufnehmenden Faserwurzeln befindet. Man hebt spatenbreit einen Graben um den Baum aus bis unter die Wurzeltiefe, meist 30-50 cm tief. Dabei wird ein Großteil der Faserwurzeln abgetrennt. Anschließend kann der Graben mit kiesigem Material wieder verfüllt werden.

Schnittmassnahmen in der Baumkrone

Aber auch die Schnittmaßnahmen in der Baumkrone müssen dem zu starken Wachstum der Krone Rechnung tragen. Der größte Fehler, der leider all zu oft begangen wird, ist der, dass man jetzt bemüht ist, das starke Wachstum durch starkes Schneiden der Krone zu bekämpfen. Damit erreicht man genau das Gegenteil. Denn Schnitt erzeugt Holz. D.h. je stärker wir schneiden, desto mehr und stärkere Holztriebe (unfruchtbare Triebe) wird der Baum bringen.

Radikale Eingriffe sind hier fehl am Platze. Wir wissen, dass im Baum ein Gleichgewicht hergestellt werden muss zwischen der Wurzelkraft von unten und der Erzeugung von Assimilaten durch das Blattgrün von oben. Überwiegt der Wurzeldruck, entstehen Holztriebe. Überwiegen die Assimilate (Assimilation = Aneignung von Kohlenstoff aus der Luft mit Hilfe des Sonnenlichtes und des Chlorophylls, der sog. Photosynthese), werden nur Blütenknospen gebildet und das Holzwachstum ist minimal. Beide Extreme sind nicht wünschenswert.

Es gilt also, hier ein gesundes Mittelmaß zu finden, das sowohl ein übermäßiges Holzwachstum als auch ein Vergreisen des Baumes durch übermäßigen Blütenansatz verhindert. Wenn also ein Baum zu stark wächst, müssen wir der Krone mehr Raum geben. D.h. sie muss breiter und höher werden, damit mehr Blattwerk entstehen kann und somit die Assimilationsfläche des Baumes vergrößert wird. Alle Schneidemaßnahmen sollten sich also nur darauf beschränken, den Baum behutsam auszulichten und zu eng Stehendes zu beseitigen, um viel Licht und Luft in den Baum zu lassen. Dies wird nicht sofort aber mit Sicherheit nach einigen Jahren zu dem Erfolg führen, dass der Baum endlich Blüten bringt und zu fruchten beginnt.

Waagrechtstellung der Seitenäste

Bei nicht all zu stark wachsenden Bäumen gibt es noch eine Reihe kleinerer Hilfen, die den Baum schneller zum Blühen bringen. Das ist die Waagrechtstellung der zu steil stehenden Triebe. Wir wissen, dass die Triebe am meisten wachsen, je steiler sie stehen und je höher sie im Baum angeordnet sind. Daraus folgt, dass waagrechte Triebe das geringste Wachstum zu verzeichnen haben und daher am schnellsten fruchten.

Das Stellen der Triebe in die Waagrechte kann durch Spreizen, Herunterbinden oder Behängen mit Gewichten (Steinen) passieren. Dies geschieht am besten sogar schon im Sommer während der Wachstumsperiode (Juli, August), weil dann die Triebe noch geschmeidig sind. Im Herbst ist diese waagrechte Stellung dann durch Verholzung bereits fixiert.

Ringeln des Stammes

Um ein frühes Fruchten des Obstbaumes zu erreichen, gibt es noch die Methode des Ringelns. Dies führt aber nur bei nicht zu alten Bäumen zum Erfolg, wo der Stamm noch nicht verborkt ist.Beim Ringeln wird nämlich am unteren Stammende ein 1,5cm breiter Rindenstreifen um den Stamm herum mit dem Messer eingeschnitten und herausgelöst. Dies muss schon in den Monaten Ende April bis Mitte Juini erfolgen, wo sich die Rinde am leichtesten lösen lässt.

Bitte beachten Sie, dass dabei das Kambium nicht beschädigt wird. Das Kambium ist die Zellschicht, die nach innen Wasserleitungsbahnen zur Aufnahme des Wurzeldrucks bildet. Hat sie ausgedient, fungiert sie als Wasserspeicher und noch später, wenn sie abgestorben ist, in Form von totem Holz als Festigungszellen. Nach außen jedoch bildet das Kambium Leitungszellen für die Assimilate, die hier in entgegengesetzter Richtung transportiert werden, nämlich von oben nach unten. Ältere Zellen sterben auch hier ab. Sie bilden dann ein Schutzschild zunächst als Rinde später dann als Borke.

Wenn wir nun diese äußerer Rinde vorsichtig entfernen, können die Assimilate nicht in die Wurzel abwandern; sie werden gestaut und stehen damit den oberirdischen Baumteilen vermehrt zur Verfügung, was sich positiv auf den Ansatz von Blütenknospen auswirken wird. Der Baum hat nach 1-2 Jahren die Wunde des Ringelns meist wieder überwachsen. Sollte das Ringeln in späteren Jahren wiederholt werden, muss dies an einer anderen Stelle des Stammes geschehen.

Statt des Ringelns kann der Baum auch stranguliert werden. Beim Strangulieren wird ein Zaundraht um das untere Ende des Stammes geschlungen und mit der Zange fest geknebelt. Dies wird jedoch nicht sofort zum gewünschten Erfolg führen, da die Unterbindung der Assimilatleitungszellen erst durch das Dickenwachstum des Stammes einsetzen kann. Der Draht muss spätestens nach 2-3 Jahren wieder entfernt werden, um Schäden durch Stabilitätsverlust zu vermeiden.

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